Jesus war ein wunderbarer Mann, das Reich Gottes ist in uns
Ich betrachte Jesus Christus nicht primär als Gründer einer organisierten Religion, sondern als einen tiefgründigen Mystiker und einen spirituellen Prozess, der als Möglichkeit in jedem Menschen existiert. Die wahre Essenz von Jesus Lehren gehen oft im Dogma moderner Institutionen unter.
Das Fundament und der Kern von Jesus Botschaft ist der Satz - Das Reich Gottes ist in euch.
Wenn das Göttliche im Inneren liegt, handelt es sich um einen spirituellen Prozess und nicht um eine Religion, Gruppierung, eine Sekte oder einen Fanclub.
Das Suchen im Inneren ist die eigentliche Essenz des Yoga. Da Jesus nur wenig Zeit für sein Wirken hatte, weil er jung starb, nutzte er den Weg des Glaubens und der Hingabe (Bhakti) als schnelles Werkzeug, statt eine detaillierte spirituelle Wissenschaft zu etablieren.
Die Menschen verneigen sich nicht vor Jesus, weil er einen grausamen Kreuzigungstod erlitt, was rein weltlich gesehen, kein erfolgreiches Leben war. Der wahre Grund für die Verehrung liegt in seiner Fähigkeit zur Transzendenz. Selbst als er an das Kreuz genagelt wurde, blieb er voller Mitgefühl und bat um Vergebung für seine Peiniger „Denn sie wissen nicht, was sie tun“.
Während die meisten Menschen auf Negativität mit Bitterkeit oder Wut reagieren, stand Jesus über den Umständen. Diese Qualität, nicht das Leiden selbst, macht ihn in den Augen der Menschen gottähnlich.
Ich unterscheide zwischen dem historischen Mann und dem Zustand des Christus-Bewusstseins. Christus ist eine Möglichkeit, die in jedem Menschen schlummert.
Damit dieser Zustand in uns erwachen kann, muss man sozialen, religiösen und ideologischen Schmutz sowie begrenzte Identitäten ablegen. Erst wenn diese Barrieren beseitigt sind, kann die Quelle der Schöpfung im Inneren aufblühen.
Jesus war kein guter, sondern ein wunderbarer Mann.
Gesellschaftlich gute Menschen passen sich den bestehenden Normen und der Ordnung ihrer Zeit an.
Jesus jedoch stellte die damalige Ordnung völlig auf den Kopf, zerstörte soziale Hierarchien und sprach mit Menschen ohne Vorurteile. Wer den Status quo so radikal stört, wird von der Gesellschaft seiner Zeit meist nicht als gut angesehen, ähnlich wie der hinduistische Gott Shiva.
Jesus Aufforderung, die andere Wange hinzuhalten, war keine allgemeine Lehre für die ganze Welt, sondern eine spezifische Anweisung an seine zwölf Apostel.
Die Apostel sollten seine Botschaft des Friedens verbreiten und sollten sich nicht durch Gegenreaktionen von ihrem Weg abbringen lassen. Wer auf Gewalt mit Gegengewalt reagiert, wird zum Sklaven der Umstände.
Dass Jesus dies nicht als absolutes, wörtliches Gebot für jede Alltagssituation meinte, zeigt sein eigenes Handeln. Als er die Händler eigenhändig aus dem Tempel warf, hielt er ebenfalls nicht die andere Wange hin, sondern leistete aktiven Widerstand.

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